Walters Magic Power Drums
Magische Trommeln
von Walter Lübeck
Mit Rhythmus kam ich schon
früh in Kontakt, da meine Eltern sehr gerne Musik hörten, die in die Beine
ging. Trommeln wurden für mich mit der Zeit zu einem meiner Lebensthemen: In
meiner Kindheit hörte ich die zackigen, geradlinigen Rhythmen der
Militärmärsche von den Vinylplatten meines Vaters, die wiederum ausgeglichen
wurden durch seine ergänzenden Vorlieben für südamerikanische Tanzmusik, wie
Tango, Cha Cha, Bossa Nova, Rumba, Mambo, Beguine und Samba. Es gab vielerlei
Musik in meinem Elternhaus, und sie war immer, auf die eine oder andere Art,
sehr rhythmusbetont.
Am
Anfang war die Persiltrommel …
Meine erste
praktische Bekanntschaft mit Trommeln machte ich mit einem aus alten
Waschmittelkartons selbst zusammengebauten “Schlagzeug”, mit dem ich als
Drummer im zarten Alter von zwölf Jahren in eine frisch gegründete Schülerband
einstieg. Wir waren alle Anfänger und versuchten uns unter dem romantischen
Namen “Candle” in Rock & Roll, Blues und Soul. Die Begeisterung für mein
neues Hobby war vor allem für meine Familie unüberhörbar. Bald wurden meine
Bemühungen um den „richtigen Groove“ durch Spenden meiner Verwandtschaft
gefördert, und ich konnte mir ein „echtes“, wenn auch gebrauchtes, Schlagzeug
kaufen.
Bis ich Anfang zwanzig
war, spielte ich Schlagzeug in verschiedenen Rock- und Bluesbands. Tägliches
Üben und die abendlichen Auftritte prägten meine Freizeit. Als ich wegzog, um
mein Studium zu beginnen, lösten sich auch die Bands auf und die Menschen, mit
denen ich so oft auf der Bühne gestanden hatte, zerstreuten sich in alle
Himmelsrichtungen. Zwar hörte ich immer noch gerne rhythmische Musik und war
fasziniert von jedem guten Schlagzeuger, aber mir fehlte mehr und mehr die
Zeit, selbst Musik zu machen. Ich vermisste den Spaß jedoch, den ich beim
Trommeln immer gehabt hatte und das beswingte Lebensgefühl in meinen diversen
Bands.
Mit einigen
Keyboards und Synthezisern die ich mir für die „Hausmusik“ beschaffte ließ sich
die entstandene Lücke nur unbefriedigend füllen. Der „Beat“ fehlte eben.
Schamanisches Trommeln
Die Beschäftigung
mit dem Schamanismus zehn Jahre später sollte mich dem Trommeln auf eine ganz
neue Weise wieder näher bringen. Ich leitete Seminare und beschäftigte mich
dabei intensiv mit der Verbindung von Schamanismus und spiritueller Musik.
Wieder folgte ich dem Ruf der Trommel. Diesmal war es aber nicht das Schlagzeug
und die Rock-, Blues- und Funkrhythmen, sondern die Ethnomusik, die mich anzog
und inspirierte. Mit meiner Djembe, einer afrikanischen Solotrommel, stand ich
bald auf “Du-und-Du”.
Sie ist nun seit
langer Zeit bei vielen meiner Seminare mit von der Partie und des Abends ist
das “Boum-tschak, Boum-boum-tschak” der willkommene, körperbetonte Ausgleich zu
den spirituellen energetischen Höhenflügen der Workshops. Ich erfuhr, wie durch
Trommelrhythmen Körperblockaden gelöst werden konnten und nahm den
harmonisierenden Einfluss der Trommeln auf die Emotionen von Menschen wahr.
Viele Menschen
werden deutlich „lockerer“, wenn sie sich über längere Zeit in der Nähe der
Trommel aufhalten: Sie fühlen sich mehr geerdet und zeigen ihre Gefühle
spontaner und deutlicher. Nicht jeder kann und will sich in einer
Workshopatmosphäre aus seinen alltäglichen Rollen lösen. Durch den stampfenden,
kraftvollen Beat der Trommeln wird er oder sie auf den Weg zu seinem Inneren
Kind begleitet und dazu ermuntert, herumzualbern, seinen Körper zu genießen und
auch, seine spirituelle Verbindung zur Erde zu spüren.
Heilendes Trommeln
Je mehr ich Trommeln
bei schamanischen Ritualen wie etwa dem „Trance-Tanz“ oder dem „Soul-Hunting“
einsetzte, um so klarer wurde mir, daß dies bei den Teilnehmern mehr auslöste
wurde als nur eine Reaktion auf den Rhythmus der Trommeln.
Ich begann zu
experimentieren und fand dabei intuitiv mein eigenes „System“, mit der Trommel,
Engel, Götter, Devas und Krafttiere „zu rufen“, indem ich mich auf ihre
jeweiligen Energien einstimmte. Es war ein Versuch, diese heilende, erdige
Energie über das Trommelspiel auf die Tanzenden zu übertragen – sie ihnen näher
zu bringen. Als ich meine Trommel ganz in den Dienst der Schöpferkraft stellte,
fiel es mir noch leichter, die verschiedenen Schwingungen “von oben” durch mein
Spiel auszudrücken. Aus meiner Ahnung wurde Gewissheit: Trommelmusik vermag zu
heilen – eine Trommel kann Mittler heilender und heiliger Kräfte sein!
Die Trommel ist eines der ältesten
Musikinstrumente
Trommeln gehören
neben Rasseln, Klanghölzern und dem Didgeridoo, einem hölzernen Blasinstrument
der australischen Ureinwohner, zu den wohl ältesten Musikinstrumenten der
Menschheit. Vielleicht auch, weil schon das Embryo den Herzschlag seiner Mutter
auf eine Weise hört und davon körperlich so bewegt wird, wie es dem Klang und
dem Rhythmus einer Trommel entspricht. Außerdem hört das Kind im Mutterleib den
Klang der Stimme seiner Mutter als rasselähnliches Geräusch -- die Rassel ist
ein weiteres Urinstrument.
Man sagt Rasseln und
Trommeln nach, das sie Geschöpfe verzaubern können – im wortwörtlichen und
übertragenen Sinne. Schon immer benutzten Heiler, Schamanen und Medizinmänner
und -frauen in der ganzen Welt Trommeln, um sich selbst und andere mit
spirituellen, das Leben unterstützenden Einflüssen zu verbinden.
Trommelrhythmen können uns mit dem Göttlichen verbinden und uns erinnern an die
Ursprünge unseres Seins. Vielleicht wird unsere Seele an Lichtreiche erinnert,
aus denen sie in die grobstoffliche Ebene der materiellen Schöpfung inkarniert
ist.
Trommeln für Körper und Seele
Mit dem stark
erdenden Rhythmus der Trommel, idealerweise verbunden mit Tanzen und Singen,
kann der Körper Spannungen konstruktiv ausdrücken und sich von überflüssigem
Ballast befreien. Gleichzeitig wird der weibliche Anteil in uns (auch „Yin“
genannt und der Erde zugeordnet) gestärkt und – dem hermetischen Gesetz der
Polarität folgend – der Energiefluss zum männlichen Anteil in uns (auch „Yang“
genannt und dem Himmel zugeordnet) leichter verbunden.
„Der Körper ist der
Tempel der Seele“, sagten schon die Griechen. Erst ein gesundes Verhältnis zu
unserem Körper ermöglicht uns den Zugang zu höheren Bewusstseinsebenen, in „die
Lichtreiche des Himmels“. Lassen wir unseren Körper außer Acht, trennen wir uns
auch von der Erdenergie und trüben zugleich die Klarheit des Geistes. In mehr
als zehn Jahren Tätigkeit und Erfahrung als Seminarleiter, Lebensberater und
schamanischer Musiker wurde mir diese Aussage immer wieder bestätigt.
Oft konnte ich
beobachten, daß Menschen, die sehr verspannt sind und Schwierigkeiten haben,
ihren Körper und ihre natürlichen Gefühle anzunehmen und zu lieben, von dem
Klang der Trommeln in Unruhe, ja manchmal sogar Angst und Wut versetzt wurden.
Je mehr Blockaden gelöst wurden, desto leichter fiel ihnen auch das Einlassen
auf die Schwingungen dieser archaischen Instrumente. Menschen, die sich im
spirituellen Sinne als „resonanzfähig“ bezeichnen lassen, erleben beim Klang
von Trommeln Wohlgefühle, Vitalität, Geborgenheit und eine faszinierende
Klarheit des Bewusstseins bis hin zu Astralreisen.
Aus was sind Trommeln gemacht?
Trommeln sind meist
recht einfach gebaut. Ihre Körper bestehen aus Holz, Ton, Keramik, Knochen,
Metall oder inzwischen natürlich auch aus Kunststoff. Der Schlagbereich ist aus
Tierfell (Leder), aber auch aus Holz, dünnem Blech und Kunststoff.
Gespielt wird mit
den Händen oder Schlagstöcken, unter Drummern als “sticks” bekannt. Bei manchen
Bauformen lässt sich die Spannung des Felles während des Spieles verändern und
damit die Stimmung dynamisch beeinflussen („Talking Drums“). Die meisten
Trommeln haben jedoch nur eine Tonlage, in der sie klingen können. Trommeln
lassen sich im Körper
oder am Fell „ansingen“. Der Stimmklang verändert sich dadurch und vokale
Lautmalerei wird einfacher und eindrucksvoller.
Die „Götter der Trommel“
In unseren
nördlichen Landen wurden Trommeln dem Gott Thor (Donar, Donner) und auch mit
dem Gott Pan (aus der griechischen Götterwelt; seine Gestalt ist halb
Ziegenbock, halb Mensch) zugeordnet. Pan und Thor sind beide Götter der
Vegetation, die unter anderem für das Gedeihen der Pflanzen, Tiere und
Menschen, für die Fortpflanzung und das Wetter zuständig sind. Man spricht
ihnen starke heilende Kräfte zu und eine intensive Beziehung zu den
Muttergottheiten der Erde, die unter den Namen Freya, Holle, Ishtar, Danu oder
Tara bekannt sind. Deswegen können Trommeln, besonders „live“
gespielt, Emotionen hochbringen, die mit Weiblichkeit, der Mutterbeziehung und
der Körperbeziehung zu tun haben.
Trommeln und Erdenergie
Trommeln entsprechen
meiner Ansicht nach der Qualität von Mutter Erde. Sie sprechen direkt den
Körper an und wirken potentiell erotisch aufladend und vitalisierend. Trommeln
sollten deswegen nicht nur gehört werden. Es braucht ihre natürliche, volle
Kraft und ihre direkt erlebbare Gegenwart, um ihre ganze Wirkung zu entfalten.
Wir müssen ihren Klang spüren können, das Schwingen und Erbeben darin. Ich höre
zum Beispiel Trommelmusik aus der “Konserve” immer richtig laut – oder gar
nicht.
Wer in der Nähe von
Trommeln ist, spürt vielleicht auch die Gegenwart des Großen, Gewaltigen, daß
uns alle leben lässt – das ewig Erzeugende, und Alles-Heilende. Menschen kommen
einander schneller näher, wenn sie zu kräftigen Rhythmen tanzen. Der Beat
schafft lebendige Einheit. Aus den einzelnen Wassertropfen wird die vitale
Lebenswelle, die mit der Energie der Schöpferkräfte schwingt, tanzt und spielt.
Am eindrucksvollsten
sind Trommeln natürlich, wenn sie live gespielt werden. Trommeln können Himmel,
Mensch und Erde erzittern lassen unter ihrer urtümlichen Kraft. Wer zugegen
ist, kann auf diese Weise ihre Heilwirkung am stärksten nutzen. Eine Trommel
mit Naturfell klingt allerdings erst richtig, wenn sie warm ist, also
Zimmertemperatur hat, und schon etwa zwanzig bis dreißig Minuten gespielt
worden ist.
Viele Trommeln, ein „Spirit“
Werden heilkräftige
Energien mit der Trommel gerufen, gibt es nach dieser “Einschwingungszeit”
einen interessanten Effekt: Es ertönt oft ein obertonreicher Chor in bester
HiFi-Stereoqualität! Nicht jeder hört ihn, aber alle, die sich für die
“Frequenz der Ekstase” öffnen können, nehmen ihn klar und deutlich war.
Wenn mehrere
Menschen im „gleichen Spirit“ zusammen trommeln und vorher gemeinsam um den
Segen der Schöpferkraft gebeten und die Spirits als Gäste gerufen haben, so ist
das Ertönen dieses “Himmelschors” das Zeichen für kollektive Improvisation. Die
Verbindung
der Trommler ist dann intuitiv und direkt. Die Grenzen zwischen Solospiel und
Begleitung verwischen, und es gibt nur noch “die” Trommel, gespielt von vielen
Händen auf vielen Fellen.
Meine Philosophie für
das spirituelle Trommeln ist, daß “Es” mich trommeln lässt. Erst, wenn der
Verstand beiseite tritt und der Seele nicht mehr im Wege steht, kann eine
optimale Resonanz zu feinstofflichen Kraftfeldern entstehen. In diesem Zustand
ist zu beobachten, daß die inneren Rhythmen wie Herz und Atmung mit dem äußeren
Rhythmen der Muskulatur und damit der Trommel vollständig synchronisiert sind.
Jetzt ist die Musik wie aus einem Guss. Sie ist nun eine tragfähige Brücke für
die Heilkraft und die Botschaften der Lehrer- oder Meisterwesen der
feinstofflichen Welten geworden.
Trommeln ist gesund
Wer selbst trommelt,
kommt in den zusätzlichen Vorteil einer wirkungsvollen Reflexzonenmassage der
Hände. Außerdem ist er natürlich der heilenden Energiequelle am nächsten. Deswegen
kann Trommeln auch auf den Ausübenden selbst einen gesundheitsfördernden
Einfluss haben: Die Vibrationen lassen den Körper mitschwingen, regen sanft den
Kreislauf und die Lymphzirkulation an, entspannen die Muskulatur, vertiefen die
Atmung und verbessern so die Sauerstoffversorgung und – langfristig – die
Kapillarisation der Körpergewebe. Dadurch wird der Stoffwechsel nachhaltig
verbessert und die Kondition gestärkt.
Die „richtige“ Trommel finden
Möchtest du Trommeln
lernen, brauchst du ein Instrument. Dies bekommst du in Musikfachgeschäften mit
einer Fachabteilung für Ethnoinstrumente, in manchen Esoterikläden oder
Unternehmen, die sich auf Ethnoinstrumente spezialisiert haben. Es wird
inzwischen auch eine Vielzahl von guten Kursen bei erfahrenen Lehrern
angeboten. Besser ist es jedoch, bei mehreren Lehrern mit verschiedenen
Richtungen zu studieren, damit sich Dein eigener Stil aufgrund
unterschiedlicher Anregungen besser und schneller entwickeln kann.
Es ist heute nicht
mehr nötig, zu diesem Zweck unbedingt nach Indien, Südamerika oder Afrika zu
reisen. Viele Lehrer aus diesen Gegenden der Welt unterrichten regelmäßig in
unseren Breiten – ebenso wie eine ständig wachsende Zahl ihrer Schüler, die
mittlerweile ebenfalls zu Lehrern herangewachsen sind. In fast jeder
Volkshochschule werden entsprechende Veranstaltungen angeboten. Außerdem gibt
es CDs und Videos mit Anleitungen zum Selbststudium.
Den eigenen Stil entwickeln
Wie viele Kurse du
auch immer besuchst – es bleibt deine Aufgabe, dein Instrument zu erkunden und
eine praktische, emotionale und spirituelle Beziehung zu ihm aufzubauen.
Streichle deine Trommeln, beklopfe sie auf unterschiedliche Weise an
unterschiedlichen Stellen – nicht nur auf dem Schlagfell – und höre ihre
verschiedenartigen Antworten. Nimm ihren Duft war. Achte darauf, wie sich ihr
Klang langsam entwickelt, wenn du sie länger spielst. Wie ändern sich ihr Klang
und ihr Spielverhalten in Bezug zu deiner jeweiligen Stimmung?
Baue eine
persönliche Beziehung zu deiner Trommel auf. Gib ihr einen Namen. Rede mit ihr.
Bringe sie ein in heilende Rituale und spirituelle Kräfte, mit denen du in
Resonanz stehst. Erkunde ihre verschiedenen Klänge, und gehe mit deinem Spiel
darauf ein. Drücke deine Gefühle über das Trommeln aus und versuche,
heilkräftige, konstruktive Energien über deine Trommel in die Welt zu senden.
Fühlst du dich schlecht, empfehle ich dir, nicht für andere zu spielen – du
kannst auch für die „Spirits“, die Geister, spielen und sie bitten, deine
Destruktivität als Opfer anzunehmen, um es zu transformieren und daraus
aufbauende Kräfte zu machen, die dir auf deinem Weg hilfreich sein können.
Link zu "Walter's Magic Power Drums"
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Connection Sonderheft „Spirituelle Musik“ verfasst und dort erstmals veröffentlicht.





